Frühmesskapelle
In Diespeck überquerte die Fernstraße, deren Trasse von Würzburg nach Regensburg verlief, das Aischtal. Die Straße führte von Langenfeld kommend über die Hochebene des Stübacher Berges und Birkenberges. Am Ende des Birkenberges grub sich die Altstraße durch mehrere Hohlgassen hinunter zu den drei Aischfurten, der Furt Klobenmühle, dem Fürtelsteg und der Ehebruck.
Bei Hochwasser traten der Ehefluss und die Aisch aus ihrem Flussbett heraus und überfluteten das ganze Aischtal. Im keltischen Glauben wirkte an einer solchen beeindruckenden Stelle eine Naturgottheit. Vor der gefährlichen Flussüberquerung opferten keltische und später germanische Fuhrleute auf Steinaltären vielfach Früchte, Beeren oder Tiere, um wichtige Naturgottheiten milde zu stimmen.
Ein Abschnitt der Aisch war so bedeutend, dass er die Flussbezeichnung Hannah erhielt. Die Altstraße überquerte bei der Furt Klobenmühle den „Hainbach“ und führte entlang der Bahnhofstraße zum Frühmessgarten. Im Frühmessgarten wurde vermutlich im 13. Jh. eine Kapelle errichtet.
Der Diespecker Taufstein, der heute in der Johanneskirche steht, stammte vermutlich aus dieser ersten Kirche. Die alte Frühmesskapelle wurde im 15. Jh. im Hussitenkrieg zerstört. Im Jahre 1465 wurde am Kirchberg, auf die Ruine der alten Burg, die neue Johanneskirche gebaut. Im Jahre 1903 errichtete die Gemeinde auf dem alten Frühmessplatz die neue Schule. Bei den Bauarbeiten fand man die Grundmauern der alten Frühmesskirche, einen Schädel und mehrere Menschenknochen.
Beim Bau des Regenwasserauffangbeckens 1985 gab es wieder Knochenfunde, die leider nicht untersucht wurden. Im Jahre 2020 ließ die Gemeinde Diespeck ein kommunales Denkmalkonzept erstellen, bei der eine Bestandsaufnahme aller Bau- und Bodendenkmäler stattfand. Im Zuge der geplanten Rathauserweiterung 2023 wurde dann erstmals ein Teilstück vom Frühmessgarten denkmalrechtlich untersucht. Bei Abbrucharbeiten fand man alte Mauerreste, Pfostenlöcher und eine Tonscherbe, die in das 11. Jh. datiert wurde.
