Scheller Hube Nr. 6
Zollstation Birkenhof und Scheller Hube — Am Fuße der Burg lag der Birkenhof mit der Zollstation und der Scheller Hube. Händler und Reisende, die vom Iphgau oder Ehgau in den Rangau wollten, mussten bei der Zollstation im Birkenhof ihren Wegzoll entrichten.
Nach der Aischüberquerung am Fürtelsteg führte der Weg über eine mit Steinen befestigte Gasse zur Zollstation. Im Umfeld der Zollstation entstand ein Ortszentrum mit einer Herberge, einer Bäckerei , der Dorfschmiede und Häusern, in denen Zollbeamte, Handwerker und der Geleitschutz wohnten.
Gleich neben der Zollstation lag der „Kähr Brunnen“, der die Anwesen im Birkenhof und den Handelsverkehr ausreichend mit Wasser versorgte. In einer Holzleitung wurde das vom Kirchberg kommende Quellwasser von der „Bäckerei Kähr“ zum Brunnentrog geleitet.
Der Handelsverkehr brachte Geld und Wohlstand nach Diespeck. Bei der Zollstation wurde der Wegzoll entrichtet. Für das sichere Geleit sorgte der Geleitschutz. Die Überquerung der Diespecker Furt war wetterabhängig. Nach starken Regenfällen war das Aischtal nur schwer passierbar. Bei Hochwasser staute sich der Fernverkehr manchmal wochenlang. Der Weg durch die moorige Aischwiese wurde mit Holzstöcken befestigt. Die Überwindung der Hohlwege und der Steigungen des Birkenberges und der Teufelsklinge waren Kraftakte.
Im Laufe der Jahrhunderte nahm der Handelsverkehr stetig zu. Die Fuhrwerke wurden größer und mussten schwerere Lasten transportieren. Die Lastwagen wurden vollgepackt, da Geleitgelder, Zollgebühren und der Unterhalt der Pferde und des Personals hohe Transportkosten verursachten.
Die langen Aufenthalte vor einer nicht passierbaren Furt und die Überwindung der steilen Hohlwege zu den Hochstraßen waren teuer und gefährlich. Infolge dieses gestiegenen Verkehrsaufkommens wurden auf beiden Seiten des Stübacher Berges Tiefstraßen gebaut. Im Zuge dieser neuen Straßenerschließungen wurde der Zollbetrieb dann im 17. Jh. eingestellt. Im 18. Jh. erwarben jüdische Einwohner Häuser im Birkenhof. So konnte sich die jüdische Gemeinde einen Bet- , Unterrichtsraum und Zusammenkunftsort im Wohnhaus ihres jüdischen Lehrers einrichten, genannt die „Judenschul“.
Im Jahre 1828 wurde das angrenzende Scheunengebäude vom Raabenwirt zur Synagoge umgebaut. Im 20. Jh. wurden dann die Synagoge und die mit Eichenbalken gebaute Zollstation abgerissen. Im Birkenhof und vor dem Anwesen Geer wurde noch 1967 die Kerwa gefeiert. Damals verlief die gerade neu ausgebaute Bundesstraße 470 noch durch Diespeck. Die Schausteller bauten ihre Buden und ein Karussell direkt neben der Bundesstraße auf.
