Turmburg
Ganz gleich, aus welcher Richtung man sich Diespeck nähert, ein markanter Turm mit einer geschwungenen Haube zieht die Blicke auf sich. Er gehört zur St. Johanneskirche, die seit über 500 Jahren das geistliche Zentrum des Ortes ist. Als Namenspatron des Gotteshauses dient Johannes der Täufer, der Verkünder und Wegbereiter Jesu.
Das Kirchengebäude wurde 1485 auf der Ruine einer alten Turmburganlage errichtet. Aus dieser Zeit stammt noch der gotische Chorraum mit seinen außen erkennbaren Strebepfeilern. Im Jahr 1752 fand ein großer Umbau mit Aufstockung des Kirchenschiffs statt. Seitdem zeigt es sich in barocker Gestalt. Reste vom ursprünglichen Burgturm, der Burgbefestigung, wie Mauer und Eckturm mit Schießscharten sind noch erhalten.
Im 9. Jh. kontrollierten viele Burganlagen das Grenzgebiet und den Waffenhandel mit den slawischen Nachbarn. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch die Diespecker Turmburg in dieser Zeit erbaut wurde und Bestandsteil der Burgenkette war. Wissenschaftliche Untersuchungen dazu wurden bisher noch nicht durchgeführt. Von der Turmburg aus konnten die Straßen des Aischtales, des Birken– oder Burgberges und des Ehegrabens sehr gut überblickt werden.
Im Jahre 1170 war der Ministeriale Godfried von Dihespecke für den Geleitschutz vom Handelsverkehr verantwortlich. Geleitrechte und Wegzölle brachten lukrative Einnahmen. Um die Burg herum errichteten Handwerker, Geleitknechte und Beamte ihre Wohnstätten. Im Jahre 1285 übernahmen die Nürnberger Burggrafen, die Herren von Neustadt, vermutlich auch den angrenzenden Diespecker Walpotenbesitz. „Für den Ort Neustadt“, die frühere Stadt Riedfelden, verzichtete Friedrich Walpote auf alle seine Lehen, Äcker, Wälder und Patronatsrechte über Pfarrkirchen. Turmburg, Gutshöfe, wertvolle Fahrtrechte und Anbauflächen wechselten den Besitzer.
Im Zuge dieses Besitzwechsels wurde Diespeck weiter zerschlagen. Den Birkenhof übergaben die Nürnberger Burggrafen ihrem neu erbauten Kloster in Birkenfeld zum Lehen. Das Gebiet entlang des Sandbaches, Wilden Baches und der Wolfsgrube wurde mit weiteren Hofstellen erschlossen. Im Jahre 1361 befanden sich auch die 18 Fronhöfe des Rittergutshofes im Besitz des Burggrafen Friedrich V. Diespeck wurde 1361 dem burggräflichen Amt Neustadt einverleibt. Den Gutshof mit seinen 18 Fronhöfen und dem Wasserschloss erwarb der burggräfliche Amtsmann Teuerlein.
Im Jahre 1450 wurde im Krieg zwischen der Stadt Nürnberg und dem Nachfahren der Burggrafen, dem Markgrafen Albrecht, die Diespecker Turmburg zerstört. Die erste Diespecker Kirche wurde vermutlich im 13. Jh. im Frühmessgarten errichtet. Im Jahre 1416 wurde der Pfarrer Conrad zu Diespeck erwähnt. Die alte Kirche am Frühmessplatz wurde etwa 1430 im Hussitenkrieg in Schutt und Asche gelegt. Margaretha Teuerlein stiftete 1464 die neue Johanneskirche am Kirchberg. Das Gotteshaus wurde auf den Grundmauern der zerstörten Turmburg erbaut und im Jahre 1485 eingeweiht.
Zur Pfarrei gehörten etwa 80 Morgen Land. Die Pfarrei erhielt den halben Blutzehnt und ein Drittel vom Laimbacher Wegzoll. Im Jahre 1626 wütete in Diespeck die Pest. Im 30-jährigen Krieg verwaltete „in den elendsten und lebengefährlichsten Zeiten“ Johann Vitus von Berg die Pfarrei Diespeck. Mit Begleitschutz und einem Gewehr bewaffnet, besuchte er insgesamt 25 Pfarreien. Zu den wenigen Einwohnern, die diesen Krieg überlebten und zurückkehrten, gehörte die Familie vom Bäcker und Bierbrauer Adam Wehrn.
Im Jahre 1650 bauten dann auch Exulanten aus Österreich, wie die Familien Scherz, Strauß oder Dorer, die zerstörten Hofstellen wieder auf. Um die Wehrkirche herum errichteten Handwerker, ein Schmied und ein Bäcker ihre Häuser. Das heutige Gemeindehaus neben der Kirche wurde bereits 1569 erwähnt. Badstube und Schule waren damals im selben Gebäude untergebracht. Der Bader war für die Betreibung der öffentlichen Badstube, das Badewesen und die Körperpflege verantwortlich. Gleichzeitig war er der Arzt der armen Leute. Er machte kleinere chirurgische Eingriffe und zog kaputte Zähne.
Auch die Lehrerwohnung befand sich in diesem Haus. Ein Schulmeister wurde bereits im Jahre 1573 erwähnt. Im 30-jährigen Krieg wurde das Schul– und Mesnerhaus zerstört. Im Jahre 1651 baute man es wieder auf. Das neue Pfarrhaus wurde im Jahre 1691 errichtet. Im Jahre 1752 wurde die Kirche vergrößert und umgebaut. Bei der Aufstockung des Kirchturmes hat man die alten Wappen der Henneberger Grafen und deren Nachfolger, der Nürnberger Burggrafen, ganz oben im Kirchturm eingemauert.
Die Burgmauer diente der neuen Wehrkirche ebenfalls als Schutzmauer. Im Jahre 1780 wurde das einsturzgefährdete Schulhaus von der Kirchenstiftung wieder „neu erbaut“. Zur Diespecker Schule gingen die Kinder aus Diespeck, Untersachsen und Kleinerlbach. Vom Jahre 1740 bis 1810 gab es in Dettendorf eine Winterschule, die auch die Schüler aus Obersachsen besuchten.
Der Sommerunterricht fand für diese Schüler in Diespeck statt. Die Kinder aus Untersachsen gingen ganzjährig nach Diespeck zur Schule. In der Zeit von 1811 bis 1967 hatte Dettendorf eine eigene ganzjährige Schule. Im Jahre 1903 wurde dann das neue Diespecker Schulhaus am Rathausplatz gebaut.
